Anregungen zur Aufstellung des Düsseldorfer Nahverkehrsplanes 2002-2007
Anschreiben an die Stadt Düsseldorf vom Dezember 2001
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir möchten uns für die Gelegenheit bedanken, frühzeitig Anregungen zum Nahverkehrsplan einzubringen. Wir halten es für sehr sinnvoll, möglichst viele Ideen schon in die Entwurfsphase einzubeziehen.
Die im Aufstellungsbeschluss des Düsseldorfer Verkehrsausschusses zur Fortschreibung des Nahverkehrsplans am 31.5.01 gemachten Grundaussagen unterstützen wir im Prinzip, insbesondere o die Berücksichtigung von Mobilitätsbedürfnissen und Stadtentwicklungszielen, o die Einbeziehung des regionalen Verkehrs, o das besondere Augenmerk auf Abend- und Nachtverkehr, o die klare Definition von Qualitätsstandards, insbesondere auch in Hinblick auf Wettbewerbssituationen.
Wir möchten aber folgendes ergänzen:
- Unter Mobilitätsbedürfnissen sollte nicht eine Grundversorgung ("Daseinsvorsorge") auf Mindestniveau verstanden werden, sondern ein umfassendes Mobilitätsangebot, auch als attraktive Alternative zum Pkw.
- Dazu gehört ein integriertes Konzept, das den öffentlichen Nahverkehr in Angebot, Kommunikation, Service und Organisation mit ergänzenden Verkehrsmitteln, z.B. Taxi, CarSharing oder Fahrrad verknüpft.
- Die Förderung von Verkehrssicherheit, Umweltschutz und Stadtverträglichkeit muss neben der Wirtschaftlichkeit ein Grundziel der Nahverkehrsplanung sein. Das fordern u.a. Lokale Agenda und Klimaschutzverpflichtungen, aber auch die Sorge um die Gesundheit unserer Kinder. Nur ein verträgliches Verkehrssystem ist zukunftsfähig. Das bedeutet aber, dass die Steigerung des Anteils des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehr (und nicht nur am Zuwachs) wichtige Zielgröße sein muss. Dass entsprechende Zielvorgaben mit den Maßnahmen erreicht werden können, wäre nachzuweisen.
- Bei der Konzeption ist auch zu planen, wie eine termingerechte und wirkungsvolle Umsetzung garantiert werden kann, nur dann hat das Papier einen realen Wert.
- Intelligentes Verkehrsmanagement setzt nicht (nur) auf größere Bauprojekte, sondern soll mit differenzierten kleineren, aber flächendeckenden Maßnahmen der Angebots- und Qualitätsverbesserung neue Potentiale erschließen, wobei Kommunikation und Information zentrale Elemente sind und moderne Management- und Marketingmethoden genutzt werden sollten.
- Die Fahrgäste und gerade die Stammkunden müssen seit Jahren merkliche Preissteigerungen hinnehmen (während z.B. Parkgebühren und sogar Verwarnungsgelder gesenkt werden), der Betrieb wird gleichzeitig immer kostengünstiger, aber größere Angebots-Verbesserungen werden meist mit Verweis auf die Kosten abgelehnt. Es ist an der Zeit, dass ein Teil der Ertrags- und Effizienzsteigerungen im öffentlichen Verkehr den Kunden in Form von gezielten Angebotserweiterungen zurückgegeben wird ("Fahrgastdividende").
- Qualitätsverbesserung und Kosteneinsparung gleichzeitig gibt es durch Maßnahmen zur Verbesserung der Fahrqualität, d.h. für einen zügigeren und ungestörten Betrieb: Ampelvorrang, bahnfreundliche Verkehrslenkung, intensive Parküberwachung, im Bedarfsfall eigene Fahrspuren. Solche Maßnahmen sind deshalb unbedingt wieder zu intensivieren.
- Eine kundennahe Nahverkehrskonzeption kann nur in intensivem und kontinuierlichem Dialog mit den Fahrgästen entwickelt werden.
Wir möchten auch noch an die Beschlüsse der Ausschüsse bei der Verabschiedung des ersten Nahverkehrsplans 1997 erinnern, die in dieselbe Richtung weisen und einige Punkte beauftragt hatten, die leider u.E. seitdem nur unzureichend abgearbeitet wurden:
- zügige Realisierung des Ampelvorrangs und zusätzliche Busbeschleunigung,
- Ausbau behindertengerechter Haltestellen,
- Verknüpfung im Umweltverbund,
- Einrichtung eines Nahverkehrskoordinators,
- intensive Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung,
- Angebotsoptimierung.
Für wichtige Maßnahmen(pakete) im neuen Nahverkehrsplan halten wir:
- Eine EDV-gestützte umfassende Fahrplanoptimierung zur Verbesserung von Anschlussqualität und betrieblicher Effizienz;
- ein Anschluss-Sicherungskonzept unter Einschluss der S-Bahn;
- gezielte Erweiterungen im Straßenbahn- und Busangebot für bessere Erschließung und Direktverbindungen, aus Produktivitätsgewinnen finanziert;
- viel bessere Vor-Informationen über Bahn und Bus: Basis-Broschüre in jedes Haus, ÖPNV-Informationen in Publikationen Dritter, Info-Tafeln in Fußgängerbereichen und öffentlichen Gebäuden u.a.m.;
- bessere Fahrgast-Information an Haltestellen: dynamische Info-Anzeigen an fast allen Haltestellen, verständliche Tarifinformation, bessere Orientierung an Knotenpunkten;
- Verbesserung der Betriebsqualität (Beschleunigung) durch ein neu aufgelegtes Schwerpunktprogramm "Zügig durch Düsseldorf", dabei Ampeloptimierung und Verkehrsüberwachung als zentrale Instrumente;
- Modernisierungsprogramm für Haltestellen: Niederfluranpassung, Notrufmöglichkeit, Beleuchtung, Zugänge; Einsatz von Qualitäts- und Projektmanagement zur Entwicklung und Sicherung der Angebotsqualität und zur effizienten Realisierung der Maßnahmen-Programme;
- kombinierten Verkehr im Umweltverbund mit Fahrrad, Taxi, CarSharing;
- eine attraktivere Gestaltung des Abend- und Nachtverkehrs;
- weitere Ergänzungen des Straßenbahnnetzes in die Zentren der Nachfrage;
- Verbesserungen im regionalen Bahnverkehr (S-Bahn): Angebot, Haltestellen, Betriebsqualität.
In 2002 möchte der VCD Düsseldorf im übrigen ein eigenes ÖPNV-Konzept präsentieren.
Nicht nur die allgemeinen Anforderungen an ein leistungsfähiges und verträgliches Verkehrssystem, sondern auch die Absicht der Stadt, sich durch Fußball-WM und/oder Olympiade weltweit zu präsentieren und dabei natürlich auch einen vorbildlichen Nahverkehr vorzuweisen, sollten Grund genug sein, einen merklichen Qualitätsschub zu initiieren. Eine gute Grundlage dafür ist vorhanden, jetzt gilt es, Qualitätslücken systematisch zu schließen.
Mit freundlichen Grüßen
VCD Düsseldorf