Düsseldorfer Nahverkehrsplan 2002-2007
Vorschläge zum Maßnahmenprogramm
Sie wurden als Anlage zur Stellungnahme zum Verwaltungsentwurf verfasst, siehe NVP D'dorf 2002.
1 a) Verzicht auf unwirtschaftliche Stadtbahnstrecken
- Messe-Süd-Anbindung (U 80):
Diese Strecke ist völlig unwirtschaftlich und zumindest als U-Bahn nicht förderwürdig. Daraus resultiert ein unverantwortlich hoher städtischer Finanzierungsanteil von ca. 50 Mio. Euro. Mit der Messe-Seestern-Linie (siehe unten) wird diese Strecke überflüssig. - Handweiser - Lörick - Messe (U 81):
Diese Strecke führt gezielt an den Verkehrsschwerpunkten vorbei und bringt dem linksrheinischen Düsseldorf Standortnachteile gegenüber Neuss. Diskutabel ist sie überhaupt nur im Rahmen der (unsicheren) Olympia-Pläne, aber auch dann ist die Seestern-Messe-Linie (s. 1b) die bessere Alternative. - Wehrhahnlinie:
Die Kosten explodieren, und offensichtlich fährt die Planung der Linie am Bedarf vorbei, wie die Diskussionen um fehlende oder schlecht platzierte Bahnhöfe, die Abbindung von Zweigstrecken (Volmerswerth, Pempelfort /Derendorf) und die schlechtere Erreichbarkeit der Altstadt zeigen. Eine Strecke mit so hoher Netzverknüpfung und Erschließungsfunktion bringt bei Verlagerung in den Untergrund erhebliche Nachteile für Fahrgäste, denen Direktverbindungen und niveaugleiches Umsteigen genommen werden, und für Nebenzentren (Friedrichstr., Karolingerplatz), unter denen die Bahn künftig vorbeirauscht. Die Stadt sollte sich nach dem Beispiel moderner westlicher Metropolen von Straßburg bis Dallas um die Integration einer modernen oberirdischen Stadtbahn in die Einkaufs- und Entwicklungsgebiete bemühen. Das ist für die Stadtfinanzen, für den Stellenwert des ÖPNV wie auch für die Lebendigkeit der Stadt von Vorteil. Die oberirdische Altstadtspange Jan-Wellem-Platz - Heinrich-Heine-Allee - Graf-Adolf-Platz ist auf keinen Fall verzichtbar, übrigens auch nicht bei einer U-Bahn.
1 b) Sinnvolle neue Bahnstrecken
- Seestern - Messe - Linie:
Eine neue Stadtbahn vom bisherigen Endpunkt Seestern unter dem Rhein hindurch zur Messe Süd mit einer Ergänzungsverbindung Heerdt - Prinzenallee hat viele Vorteile: Das zentrale Entwicklungsgebiet Seestern bekommt endlich die notwendige Durchmesserlinie und neue Direktverbindungen z.B. nach Heerdt - Neuss und Büderich, alle linksrheinischen Gebiete werden optimal an Messe und später Flughafen angebunden. (Näheres dazu im Internet unter www.vcd-duesseldorf.de) Das zugehörige Linienkonzept: die U77 wird bis Messe verlängert, U81 fährt von Neuss über Heerdt und Seestern zur Messe, die U78 wird über Seestern und Lörick bis Meerbusch verlängert. - Die westliche Uni-Anbindung (Himmelgeister Str. und Uni-Spange) ist für den VCD vordringlich, um diesen Verkehrsschwerpunkt besser anzubinden. Die Verlängerung der U79 zur Uni ist zu begrüßen, die Anbindung der Uni darf aber nicht nur in der Rush-Hour erfolgen.
- Die Querspangen Derendorf S - Kennedydamm und Flingern - Hellweg - Gerresheim sollen nach dem NVP-Entwurf nicht weiter verfolgt werden, ausreichende Begründungen dafür werden nicht gegeben. Der VCD hält sie weiterhin für notwendig.
- Sinnvoll sind auch die folgenden im NVP-Entwurf genannten Strecken: Hafenbahn (über Hammer Str.), Theodorstraße, Messe - Flughafen.
1 c) Qualitätsverbesserungen im Bestandsnetz
Das Hauptaugenmerk bei den Investitionen soll aber nicht auf neue Strecken, sondern auf merkliche Qualitätsverbesserungen im Bestandsnetz gerichtet sein:
- Erhöhung der Streckenqualität (Reisegeschwindigkeit u. Pünktlichkeit) durch flächendeckende Optimierung der Ampelanlagen/-programme, verkehrsregelnde Maßnahmen und kleinere bauliche Verbesserungen.>
- Einfache Beschleunigungsmaßnahmen wie die Verbesserung von Ampelschaltungen (hier hoffen wir auch auf Planungserleichterungen durch das neue EDV-System) oder Änderungen im Verkehrsablauf sind dabei vorzuziehen, da diese schneller wirken können als Umbauten.
- Ein wichtiger Punkt ist es, durch entsprechende bauliche Gestaltung und organisatorische Effizienz Blockaden durch Falschparker zu reduzieren.
- Technische Einrichtungen zur Anschluss-Sicherung, auch zur S-Bahn. Auch die Bahnsteiganzeigen sind für Anschluss-Informationen zu nutzen.
- Verbesserung der Zugänglichkeit: Programm zur flächendeckenden Umgestaltung der Haltestellen für Mobilitätsbehinderte (siehe Beschluss zum Nahverkehrsplan 1997), Verbesserung der Umsteigesituation etc.. Hierbei ist allerdings zu prüfen, welche fahrzeugseitigen Maßnahmen den Bauaufwand verringern können.
- Bessere Ausstattung der Haltestellen mit Wartehallen, Informationsvitrinen, Kommunikationseinrichtungen etc. Durch Buskaps statt Busbuchten kann hierfür bei schmalem Gehweg Platz geschaffen werden.
- Von zentraler Bedeutung ist ein Programm zur flächendeckenden Verbesserung der Fahrgastinformation: Die aktuellen Bahnsteiganzeigen der nächsten Abfahrten ("Dynamische Fahrgastinformation") sind ein wesentlicher Qualitätssprung, da dann Fahrplanlesen und Unsicherheiten über die tatsächliche Ankunft der Vergangenheit angehören. So können sehr wirksam neue Kunden erreicht werden. Deshalb sollten die Bahnsteiganzeigen an mindestens 1/3 der Haltestellen zügig eingerichtet werden.
- Ein professionelles Projektmanagement muss endlich dafür sorgen, dass konkrete Realisierungstermine für alle Programme und Maßnahmen gesetzt und eingehalten werden.
2) Bus- und Bahn-Linien überarbeiten
Nach jahrelangen Preiserhöhungen für die Fahrgäste und Kostensenkungen der Verkehrsunternehmen ist es Zeit, dass ein Teil der wirtschaftlichen Vorteile auch an die Kunden in Form von Angebotserweiterungen ausgeschüttet wird ("Fahrgastdividende").
Eine Verbesserungen des Abend- und Nachtverkehrs ist überfällig. Es geht um ausreichendes Angebot bis Geschäftsschluss, Verbesserung der Anschlussverbindungen und ein bedarfsgerecht überarbeitetes Nachtangebot.
Neue Linien schaffen zusätzliche Direktverbindungen und damit Qualitätsverbesserungen. Als Ausgangspunkt für die Einrichtung neuer Linien sollte die ÖPNV-Nachfrageanalyse (Abbildungen 20 und 22) verwendet werden.
Überfällig ist auch eine systematische EDV-gestützte Fahrplan- und Anschlussoptimierung, die Verbindungen und Anschlüsse für möglichst viele Kunden verbessert.
3) Fahrgastinformation und Marketing
Fahrgastinformation und Marketing können mehr neue Nachfrage erzeugen als Linienmaßnahmen, da sie bei relativ geringem finanziellem Aufwand flächendeckend das wahrgenommene Angebot merklich erweitern. Entscheidungsrelevant für potentielle Fahrgäste ist nun einmal das wahrgenommene, nicht das objektive Angebot. Untersuchungen zeigen, dass unzureichende Fahrgast-Information das Haupthemmnis für die Nutzung des ÖPNV ist.
Wichtige Elemente der Fahrgast-Information sind:
- Flächendeckende Bahnsteiganzeigen an allen wichtigen Haltestellen
- Verständliche Haltestellen- und Tarifinformation, gute Orientierung für den Weg zu Haltestellen und an Knotenpunkten
- Informationen, die (per Papier, elektronisch o.a.) zum Kunden kommen: nach Hause, an den Arbeitsplatz, an den Veranstaltungsort, in das Geschäftszentrum