Verkehrsentwicklungsplan für die Stadt Neuss
Stellungnahme des VCD vom 18. Juli 2002 zur Erstellung eines Verkehrsentwicklungsplanes
Der VCD setzt zur Lösung aktueller und zukünftiger Verkehrs- und Umweltprobleme in erster Linie auf die Weiterentwicklung des Umweltverbundes Schiene, Tram, Bus, Fahrrad, Fußverkehr und Taxi. Ein besonderer Augenmerk gilt dabei einer guten Mobilität von Familien mit Kindern und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen aller Art (Blinde, Kinder im Kinderwagen, Menschen mit Gehbehinderungen, auch im Rollstuhl und mit Rollatoren).
Fuß- und Radverkehr
Die Beseitigung der vom Ingenieurbüro Spiekermann (im Rahmen einer Untersuchung im Auftrag der Stadt Neuss, redaktionelle Anmerkung) festgestellten Schwachpunkte sollte mit hoher Priorität verfolgt werden. Außerdem sollte eine barrierefreie Gestaltung der Wege angestrebt werden. Dies gilt insbesondere für Kreuzungen, Bushaltestellen und alle Umsteigepunkten des Öffentlichen Verkehrs (ÖV). Barrierefreiheit ist auch an Taxiständen und in Parkhäusern dringend anzustreben. Hierdurch wird der Zugang zum Einzelhandel und öffentlichen Einrichtungen erleichtert. Auch die Akzeptanz und damit die Auslastung des ÖV samt seiner Refinanzierung wird so verbessert.
Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)
Für alle Linien gilt: Das Fahrplanangebot muss auch abends und am Wochenende attraktiv sein, und die Belange von Mobilitätsbehinderten müssen stärker berücksichtigt werden (siehe oben). Zur Entwicklung des Liniennetzes betonen wir folgende Anliegen:
- Stadtbahn (U 75/U 81)
In dem von der Verwaltung der Stadt Düsseldorf kürzlich vorgelegten Entwurf für den Nahverkehrsplan 2002-2007 ist vorgesehen, dass die Linie U 75 auf Neusser Stadtgebiet in Zukunft nur noch halb so häufig fahren soll wie bisher (in der Hauptverkehrszeit alle 20 Minuten statt bisher alle 10 Minuten). Dies stellt aus unserer Sicht eine nicht akzeptable Verschlechterung des ÖPNV-Angebotes dar. Die Stadt Düsseldorf plant eine Stadtbahntrasse (U 81) von der Düsseldorfer Messe über den Rhein und weiter entlang der Düsseldorfer Stadtgrenze zum Handweiser. Nach diesen Planungen sollen über diese Strecke in Zukunft Stadtbahnen zwischen Neuss und Düsseldorf verkehren. Die im vorangegangenen Absatz angesprochene Angebotsverschlechterung kann damit jedoch nicht ausgeglichen werden. Als Alternative zu der von der Stadt Düsseldorf geplanten Rheinbrücke haben wir eine Rheinquerung als Tunnel zwischen dem Seestern und der Messe vorgeschlagen. Auf dieser Trasse wäre von Neuss aus der Seestern, die Düsseldorfer Messe und später auch der Flughafen direkt zu erreichen. Diese Linie sollte zusätzlich zum heutigen Angebot auf der Linie U 75 verkehren.
Eine der Stadtbahnlinien sollte auf jeden Fall weiterhin den wichtigen Verknüpfungspunkt Neuss Hauptbahnhof anfahren. Eine neue Stadtbahntrasse über die Batteriestraße und weiter zum Hammfeld ist für die andere Stadtbahnlinie anzustreben. Diese Trasse sollte aber als Ergänzung und nicht als Ersatz für die durch die Neusser Fußgängerzone verkehrende Straßenbahn geplant werden (siehe unten). - Straßenbahn
Die Linie 709 soll weiterhin durch das Neusser Zentrum fahren. Qualitative Verbesserungen an den Haltestellen (u.a. niveaugleiche Einstiege) und der konsequente Einsatz von Niederflurbahnen würden die Attraktivität der Straßenbahnlinie erhöhen. Davon könnten nicht zuletzt die Geschäfte, Behörden, Freizeiteinrichtungen und Kirchen im Einzugsbereich profitieren. Eine Linienverlängerung Richtung Norden sollte in Erwägung gezogen werden. - Buslinien
Hier ist eine deutliche Beschleunigung und in einigen Bereichen eine Taktverdichtung dringend notwendig. Es ist ein Armutszeugnis für ein Oberzentrum wie Neuss, dass die Menschen gut dorthin kommen (Regiobahn und DB AG), von den Bahnhöfen aber nicht zügig weitergelangen können. Auch eine Weiterentwicklung der Fahrzeuge und der Fahrwege ist anzustreben (Niederflurbusse und Buskaps). - Regionalexpress
Die zum nächsten Fahrplanwechsel im Herbst 2002 geplante Taktverdichtung auf der Linie RE 13 begrüßen wir. Tagsüber sollen dann zwischen Mönchengladbach und Düsseldorf über Neuss (Linien RE 4 und RE 13) die Züge alle 30 Minuten fahren. Auch auf der Linie RE 9 (Rhein-Sieg-Express) sollte in Zukunft in den Hauptverkehrszeiten ein Halbstundentakt eingerichtet werden. Die Einrichtung eines zusätzlichen Haltepunktes im Bereich des Industriegebietes nördlich des HBF sollte in Erwägung gezogen werden. Ein Beispiel für eine recht einfach zu erreichende Angebotsverbesserung: Die zur Zeit in Mönchengladbach um 22.40 Uhr endende letzte Fahrt des RE 4 aus Aachen sollte über Neuss bis Düsseldorf verlängert werden. Heute fahren die Züge leer von Mönchengladbach nach Düsseldorf. - S-Bahn
Zusätzliche Haltepunkte sind einzurichten zwischen Neuss-Süd und HBF auf der Linie S 11 und Neuss HBF und Kaarst auf der Regiobahn S 28. Die Regiobahn sollte bald weitergeführt werden nach Viersen und Mönchengladbach, eventuell als Flügelzug. Auch die Weiterführung in Richtung Wuppertal über Mettmann ist erforderlich zur Entlastung des Autobahnrings um Neuss und der Stadtstraßen. - Spätverkehr
Die Einbeziehung in das NRW Nachtzugangebot ist in Richtung Düsseldorf, Köln, Krefeld, Kleve, und Mönchengladbach - Aachen anzustreben. - Hauptbahnhof und andere Bahnhöfe
Der Hauptbahnhof ist zu einem behindertenfreundlichen Haupt-Umsteigepunkt weiterzuentwickeln. Die Bahnsteige zu den Gleisen 1 bis 4 sind mit rollstuhl- und kinderwagengerechten Rampen auszustatten. Dies erspart Wartungskosten und verhindert den Wegfall von Treppen wie an den Gleisen 5 bis 8. Eine personelle Besetzung des Bahnhofes und der Geschäfte im Bahnhof während der Verkehrszeiten ist anzustreben (Service und Sicherheit würden so gesteigert). - Informationssystem
Alle größeren Haltepunkten des ÖV sollten mit modernen Informationssystemen ausgestattet werden, mit deren Hilfe die Fahrgäste einen schnellen Überblick über die tatsächlichen Abfahrtszeiten in der nächsten Zeit erhalten können.
Verkehrsmittelübergreifend
Mobilitätszentrale:
Die Informationssysteme der SWN, der Regiobahn und
der DB sollten weiterentwickelt und ausgebaut werden. Wir schlagen auch
für Neuss die Einrichtung einer umfassenden,
verkehrsmittelübergreifenden Mobilitätszentrale vor, wie es sie in
vergleichbaren Städten bereits gibt, mit Erreichbarkeit auch über neue
Medien. (Hinweis: Der VCD-Keisverband Düsseldorf/Mettmann/Neuss
betreibt unter der Adresse www.mobil-in-D.net
bereits eine Mobilitätszentrale im Internet für den Bereich
Düsseldorf und Umgebung. Das dort vorhandene Informationsangebot
könnte für eine Mobilitätszentrale in Neuss mit genutzt und ausgebaut
werden.)