Stellungnahme zu den Ergebnissen des Bürgergutachtens Neuss Innenstadt 2000

Pressemitteilung vom 21. September 2000

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der sich für umweltgerechte und nachhaltige Mobilitätskonzepte einsetzt, beglückwünscht die Stadt Neuss zu ihrer Entscheidung, Bürgerinnen und Bürger im Rahmen von Planungszellen in die Entscheidung über die weitere Stadtentwicklung direkt mit einzubeziehen. Viele Empfehlungen des Gutachtens - etwa zur Aufwertung der Fußgängerzone durch räumliche Erweiterung und Herausnahme des motorisierten Individualverkehrs aus weiteren Bereichen sowie zum Ausbau des Radwegenetzes, halten wir für zukunftsweisend.

Im Gegensatz zur Empfehlung Planungszellen plädieren wir jedoch nachdrücklich für die Beibehaltung einer Straßenbahnverbindung zwischen Hauptbahnhof und Stadthalle.

Die politisch Verantwortlichen der Stadt Neuss sollten vor der Entscheidung über die Zukunft der Straßenbahn in Neuss die Folgen für die Straßenbahnfahrgäste im Auge behalten. Für sie würden sich nach einem Wegfall der angesprochenen Verbindung zum Teil deutliche Reisezeitverlängerungen und weitere Wege ergeben. Dies hätte sicher auch die Konsequenz, dass Kaufkraft in besser von öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossene Zentren z.B. in Düsseldorf abwandert. Andererseits würden einige auch von der Straßenbahn auf das Auto umsteigen, so dass mit einer Zunahme des Straßenverkehrs rund um das Neusser Zentrum zu rechnen ist. Es macht außerdem wenig Sinn, das Hammfeld an das Straßenbahnnetz anzuschließen, wie von den Planungszellen empfohlen, wenn man die Straßenbahn von der direkten Verbindung zum Neusser Hauptbahnhof abschneidet.

Bei einer sachlichen Bewertung der Ergebnisse aus den Planungszellen muss man deren Zusammensetzung im Hinblick auf die bevorzugten Verkehrsmittel berücksichtigen. 73% der Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer nutzen nach eigenen Angaben die Straßenbahn selten oder nie, sogar 83% nutzen sie selten oder nie für Fahrten in die Neusser Innenstadt. Vor diesem Hintergrund sind die Empfehlungen zur Straßenbahnführung natürlich nachvollziehbar. Unberücksichtigt bleibt, dass die möglichen Konsequenzen für die Straßenbahnfahrgäste, die sich in den Planungszellen in der Minderheit befanden, im Hinblick auf Reisezeiten und Komfort gravierend sein können.

Es stellt sich auch die Frage, ob die Zusammensetzung der Planungszellen im Hinblick auf die bevorzugten Verkehrsmittel repräsentativ war. Immerhin haben sich in verschiedenen Umfragen der vergangenen Jahre Mehrheiten für den Verbleib der Straßenbahn im Neusser Zentrum ausgesprochen.