Die Messe-Seestern-Linie - eine Kurzinformation
Stand: Februar 2009
Die Idee der Messe-Seestern-Linie (MSL)
Die offenen Enden des Stadtbahnnetzes am Seestern und an der Messe Nord sollen mit einer Rheinquerung optimal verknüpft werden, mit Messe Süd und Seestern Nord als neuen Haltestellen. Die Rheinquerung kann in Hochlage mit einer Brücke am östlichen Rand des Löricker Freibads entlang und weiter durch das Seestern-Gelände realisiert werden, aber auch mit einer Tunnellösung. Die Zufahrt über Luegallee und Hansaallee soll durch Ampeloptimierung und Haltestellenausbau aufgewertet werden.
Ergänzt wird die Strecke durch eine ebenerdige Querspange von der Prinzenallee durch das Heerdter Dreieck zur Pariser Straße (und weiter nach Heerdt und Neuss). Dadurch entsteht an der Prinzenallee ein neuer zentraler Knotenpunkt für das linksrheinische Düsseldorf.
Dieses Projekt ersetzt sowohl die U80 (Messe-Schleife durch den Nordpark) als auch die U81 (Rheinquerung am nördlichen Stadtrand von Düsseldorf). Es ist auch denkbar, die Messe-Seestern-Linie zusätzlich zur U80 zu planen, dann ist aber der Kostenvorteil verloren.
Möglich ist zusätzlich eine Stichstrecke von Lörick mit einer Schleife um das Böhlergelände (Haltestelle Hoxhof) und dann entlang der Böhlerstr. und Neusser Str. bis Büderich Süd, die das südliche Büderich so gut wie möglich erschließt.
Dann könnten die folgenden Linien eingerichtet werden:
- Die U77 wird vom Seestern bis zur Messe Nord verlängert, sie kann mit der U78 zu einer "Ringlinie" verbunden werden.
- Die U78 wird über den Rhein mit der U77 verbunden bzw. zeitweise bis Meerbusch verlängert, um so Verstärkungsfahrten der U74/U76 zu ersetzen.
- Die U74 kann von Lörick auf der neuen Strecke bis Büderich Süd verlängert werden.
- Die U81 fährt von Neuss über Heerdt, Prinzenallee und Seestern zur Messe und evtl. später weiter zum Flughafen und schafft damit eine zentrale Tangente.
Grafische Darstellung der Messe-Seestern-Linie: Messe_Seestern.pdf (1,4 MB)
Die Vorteile im Vergleich mit der bisherigen U80/U81-Planung
- Die Messe erhält den dringend gewünschten Südbahnhof, der dann auch aus dem Linksrheinischen umsteigefrei erreichbar ist. Alle Linien, die die Messe anfahren, fahren künftig über Messe Süd und Messe Nord, dadurch ist das Fahrtangebot am Messe-Südbahnhof im Endausbau erheblich höher als bei der bisherigen U80/U81-Variante, da die alte U81-Lösung nur Messe Nord anbindet. Wenn auf eine unterirdische Lösung verzichtet wird, ist die Anbindung von Messe Süd sogar schneller möglich.
- Die Messe bekommt eine zweite, betrieblich ganz unabhängige Zufahrt über die linksrheinische Strecke, die etwas höhere Fahrzeiten hat als die heutige U78 hat (in Oberkassel können aber die Verluste an LSA noch reduziert und die Fahrgastwechselzeiten durch Hochbahnsteige verringert werden), dafür aber auf vollständig eigenem Bahnkörper verläuft und Kapazität und Betriebssicherheit der Messeanbindung fast verdoppelt. Das ist insbesondere für Großveranstaltungen in der LTU-Arena von Bedeutung. Die U80 würde dagegen den risikoreichen Engpass der Kaiserswerther Str. (mit Gleisen im Straßenraum) nicht aufheben.
- Die umstrittene Strecke durch den Nordpark, die auch unterirdisch während des Baus den Park erheblich schädigen würde, kann vollständig entfallen, Park und angrenzende Wohngebiete bleiben ganz unbehelligt.
- Die vorhandenen und weiter expandierenden Büro- und Baugebiete im linksrheinischen Düsseldorf (hinzu kommen u.a. Güterbahn- u. Gatzweilergelände, Heine-Gärten,..) bekommen die zentrale Querverbindung, die für eine verträgliche Abwicklung des künftigen Verkehrs dringend notwendig ist, während die bisher geplante U81 am Stadtrand weit an ihnen vorbeifahren würde. Neuss, Heerdt, Prinzenallee, Seestern und Messe (und später der Flughafen) werden mit einer Ost-West-Achse verbunden, die eines der laut Verkehrsentwicklungs- und Nahverkehrsplan größten Verbindungsdefizite im Düsseldorfer öffentlichen Verkehr behebt. An der Prinzenallee im Zentrum der linksrheinischen Entwicklungsgebiete entsteht ein Knotenpunkt mit Direktverbindungen in alle Richtungen.
- Das ganze linksrheinische Düsseldorf einschl. Oberkassel erhält Direktverbindungen zur Messe (und zum Flughafen). Mit der U81-Planung würden nur Neuss, Handweiser, Büderich Süd und Nord-Lörick angeschlossen, Oberkassel und Heerdt aber abgehängt.
- Es ist dann übrigens auch eine leistungsfähige direkte Stadtbahnverbindung Rheinwiesen - Messe Nord (Parkplätze) für die große Kirmes und andere Veranstaltungen möglich.
- Auch die regionalen Verbindungen von Krefeld/Meerbusch und Neuss zur Messe und ins rechtsrheinische Düsseldorf werden gestärkt. Gegenüber der U81 ist die Fahrzeit zwar einige Minuten länger, dafür werden aber erheblich mehr Ziele umsteigefrei angebunden: Prinzenallee, Am Seestern, Messe Süd. Direktverbindungen sind für die Fahrgäste generell wichtiger als kleine Fahrzeitgewinne.
Zur Realisierung
- Das Projekt kostet merklich weniger als die beiden Projekte U80 und U81 (bei einer oberirdischen Bauvariante vielleicht 120 Mio. statt 90 + 90 Mio. Euro).
- Die U80 muss ohnehin neu planfestgestellt werden, so dass der Zeitvorteil der alten Planung kaum noch vorhanden ist. Dass es sich bei der U80-Schleife tatsächlich um "indisponiblen Bedarf", d.h. ein bereits weit fortgeschrittenes Projekt handelt, das nur noch unter großen Verlusten gestoppt werden kann, hält der VCD für genauso zweifelhaft wie das angeblich gute Nutzen-Kosten-Verhältnis.
- Die bisher geplante U81 als periphere Tangente schneidet in der integrierten Gesamt-Verkehrs-Planung (IGVP) des Landes schlecht ab und hat wenig Realisierungschancen.
- Die Messe-Seestern-Linie kann wegen der erheblich besseren und gebündelten Verkehrswirkung besser abschneiden. Als Teil der "Circle-Line" kann sie politische Rückendeckung aus der Region erwarten. Wir denken, sie ist die einzige Chance, noch eine Messeverbindung und eine Rheinquerung zu bekommen.
- Die Messe-Seestern-Linie als Neuplanung braucht sicher eine längere Vorlaufzeit als eine kleine U80-Lösung. Dafür aber ist sie ein großer Wurf und sicher schneller realisierbar als U80 plus U81.
- In einer ersten Stufe könnte die Verbindung von der Messe Nord zur Messe Süd als wichtigster Teilabschnitt zügig vorab realisiert werden, insbesondere als tunnellose Variante.
- Durch geeignete Fahrgast-Information (z.B. Ansagen/Anzeigen: "Haupteingang", "Zum Haupt-Messeeingang bitte eine Station weiterfahren") kann auch ohne Anbindung von Süden aus das Ausstiegsverhalten der Fahrgäste so gesteuert werden, dass die gewünschte stärkere Auslastung des Südbahnhofs möglich ist.
- Die Verknüpfung von U78 und U77 ist betrieblich und verkehrlich günstig, d.h. sie stärkt die Auslastung beider Linien außerhalb der Spitze und spart Betriebskosten.
Zu den Gegenargumenten
Folgende Gegenargumente werden hauptsächlich gegen die Messe-Seestern-Linie vorgebracht:
- Die Anbindung von Messe Süd ist nicht so gut.
Antwort: die U80 würde die Fahrzeit zwischen Innenstadt u. Messe Süd tatsächlich um einige Minuten verkürzen, was u.E. nicht wesentlich ist. Die Verteilung der Fahrgäste auf die Messebahnhöfe lässt sich durch kommunikative Maßnahmen steuern. Langfristig bietet aber das Messe-Seestern-Konzept erheblich mehr Direktverbindungen zur Messe Süd als U80+U81, und das ist entscheidend. Durch die U81 würde wieder nur der Messe-Nordbahnhof angebunden. Außerdem entsteht mit der Messe-Seestern-Linie eine 2. unabhängige Messestrecke über das Linksrheinische, was Spitzenkapazität und Betriebssicherheit der Messeanbindung generell erheblich erhöht. - Nur die U80 kann kurzfristig realisiert werden.
Antwort: Die U80 muss neu planfestgestellt werden und die Einstufung in das Bundes-Förderprogramm als "indisponibel" ist nach VCD-Ansicht zweifelhaft. Hier gäbe es also auch noch erheblichen Zeitbedarf und Unsicherheiten. Der erste Bauabschnitt zwischen Messe Nord und Messe Süd kann bei der Messe-Seestern-Linie sehr schnell realisiert werden. - Freiligrathplatz und Messebahnhof müssen durch die U80-Schleife entlastet werden.
Antwort: Der Ringverkehr ist auch über die Seestern-Linie möglich. - Die Luegallee wird durch die Messe-Seestern-Linie stärker belastet.
Antwort: Das ist nur in geringem Maß der Fall, außer bei einigen Großevents, da ansonsten zu einem großen Teil nur die vorhandenen U77-Fahrten verlängert werden. Verstärkter Verkehr der U77 wird teilweise dadurch kompensiert, dass die Verstärkungsfahrten aus Meerbusch / Krefeld über die neue Strecke umgeleitet werden. - Für die Region ist die U81-Planung entlang der Düsseldorfer Stadtgrenze günstiger.
Antwort: die Messe-Seestern-Linie schafft zusätzliche Direktverbindungen zu Seestern und Messe Süd, deswegen ist sie für die Region viel attraktiver. Dass für einzelne Relationen die Fahrzeit um wenige Minuten erhöht wird, fällt dagegen nicht ins Gewicht. Für Büderich bietet eine ergänzende Stichstrecke eine erheblich höhere Erschließungs-Qualität als die durchgehende U81-Planung.