Bürgerbegehren zur Wehrhahnlinie: Kampf gegen das "Ungeheuer von Loch Heine"
Kampagne für ein Bürgerbegehren gegen den U-Bahn-Bau von August bis November 1999
Als der Düsseldorfer Stadtrat im August 1999 die Entscheidung getroffen hat, den U-Bahn-Bau auf der Wehrhahnlinie weiter zu planen und Zuschüsse dafür beim Land NRW zu beantragen, hat der VCD dagegen ein Bürgerbegehren mit initiiert und maßgeblich mit bestritten. Die nach damaliger Gesetzgebung erforderlichen 44.000 Unterschriften sind nicht zustande gekommen, sondern "nur" 9.122.
Eine späte Ironie der Geschichte: Nach der späteren Novellierung des Gesetzes zu Bürgerentscheiden wären nur noch 12.000 Unterschriften notwendig gewesen. Diese Summe wäre mit dem nahen Ziel vor Augen zu schaffen gewesen.
Die damals vom VCD vorgetragenen Argumente haben im wesentlichen ihre Gültigkeit behalten. Sie werden im Folgenden dokumentiert. Die Karikaturen wurden in der Öffentlichkeitsarbeit des Bürgerbegehrens verwendet. Auch die Illustration der Einschnitte im Liniennetz nach einem U-Bahn bau stammt aus dieser Zeit.
Argumente beim Bürgerbegehren
- Fahrzeitgewinne durch die U-Bahn von wenigen Minuten zwischen Universität und Altstadt werden weitgehend dadurch schon wieder aufgefressen, daß man und frau künftig z.B. in der Altstadt 3 Etagen nach oben klettern muß, wo heute mitten in der Fußgängerzone ausgestiegen wird.
Ein Riesennachteil ist, daß viele heute vorhandenen Direktverbindungen gekappt werden müssen, weil es bei der U-Bahn keine Abzweigungen mehr gibt. Von der Uni zum Hauptbahnhof(!), von Volmerswerth, Steinberg, Pempelfort, Derendorf und Unterrath zur Altstadt geht es dann nur noch mit lästigem und zeitraubendem Umsteigen in den Tunnel.- Das städtische Gutachten zur U-Bahn "übersieht" die längeren Wege in den Untergrund und die Umsteigezwänge, behauptet andererseits ohne plausible Begründung, daß an der Oberfläche keine merkliche Beschleunigung möglich sei. Trotzdem wird für die U-Bahn ein sehr schlechtes Nutzen-Kosten-Verhältnis errechnet, schlechter als für die Straßenbahn.
- Die Friedrichstraße wäre der große Verlierer des U-Bahnbaus: die Fahrgäste fahren an ihr bzw. unter ihr vorbei, der Weg zu den Haltestellen (unter der Elisabethstraße) wird viel länger, der störende Autoverkehr wird kaum vermindert. Ein leicht verbreiterter Gehweg kann diese Nachteile sicher nicht aufwiegen. ähnliches gilt für die Geschäfte am Wehrhahn, am Karolingerplatz u.a..
- Die Baukosten von 1.300 Millionen DM, davon 150 Millionen DM von der Stadt Düsseldorf zu tragen, belasten die öffentlichen Haushalte mit jährlich 40. Millionen DM. Hinzu kommen steigende Betriebs- und Unterhaltskosten. Vor der Inbetriebnahme haben wir 10 - 15 Jahr lang ein Bauchaos a la Kölner Straße mitten in der City. Dafür bekommen wir so gut wie keine Reisezeitgewinne, aber mehr Umsteigen, und wir erhalten ein paar Meter Radweg, etwas verbreiterte Gehwege und einige Parkplätze entlang der Strecke. Das ist zu wenig. Mit dieser Riesenmenge Geld könnte man schnell besseres tun.
- In der öffentlichen Meinung wirkt eine U-Bahn auf den ersten Blick moderner und attraktiver als eine Straßenbahn. Eine oberirdische Stadtbahn wird aber ebenso gut akzeptiert, wenn sie durch ein gutes Maßnahmenprogramm aufgewertet und durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit präsentiert wird, wie erfolgreiche Beispiele zeigen: Karlsruhe, Freiburg, Straßburg, San Diego (USA), ... .