U-Bahn-Planungen für die Wehrhahnlinie: Aktueller Sachstand

Zuletzt aktualisiert: Ende Januar 2006

Vom 24. bis 26. Januar 2006 wurden Einwände "erörtert", die im Zusammenhang mit dem Planfeststellungsverfahren vorgebracht wurden. Die Stadt Düsseldorf hat die Planfeststellung - also praktisch die Genehmigung, den U-Bahn-Tunnel bauen zu dürfen - beantragt. Die Bezirksregierung Düsseldorf ist so eine Art Schiedsrichter.

Der VCD hat bei dem Erörterungstermin erreichen können, dass die Stadt Düsseldorf noch eine detailliertere Begründung nachreichen muss, warum der Bau des U-Bahn-Tunnels verkehrlich sinnvoll sein soll. Weiterhin wird die Bezirksregierung noch einmal prüfen, ob für die südliche Innenstadt eine stärkere Luftbelastung während der Bauzeit zu erwarten ist. Außerdem wurde festgehalten, dass über einen möglichen Erhalt der Straßenbahntrasse Jan-Wellem-Platz - Altstadt - Graf-Adolf-Platz, der vom VCD gefordert wird, nicht im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens entschieden wird.

Auch von vielen privaten Geschäftsleuten, nicht zuletzt auch von den großen Kaufhäusern an der Schadowstraße, wurden Bedenken geltend gemacht. Welche Entscheidung die Bezirksregierung zu den nicht ausgeräumten Einwendungen seitens des VCD und anderer entscheiden wird, muss nun erst einmal abgewartet werden.

Aber auch, wenn der Planfeststellungsbeschluss ganz im Sinne der Stadt Düsseldorf fallen würde, wäre damit die Realisierung der vorgelegten Planung noch keineswegs gesichert. Die Stadt Düsseldorf ist für den U-Bahn-Bau auf Zuschüsse in Höhe von annähernd 90% der Kosten angewiesen, die vom Land NRW und vor allem aus Bundesmitteln kommen müssten. Unsere Nachforschungen haben aber ergeben, dass ein konkreter Zuschussantrag beim Bundesverkehrsministerium Ende Januar 2006 noch gar nicht eingegangen war.

Nach den Vorgaben der Zuschussgeber darf die Realisierung des Projektes nicht mehr als etwa 380 Mio. Euro kosten. Im Frühjahr 2003 hatte die Stadt Düsseldorf jedoch Planungen vorgelegt, deren Umsetzung fast das Doppelte (knapp 750 Mio. Euro) kosten würde. Um die Baukosten zu drücken, wurde die geplante Tunnelstrecke um etwa 20% verkürzt (zuvor war das Tunnelende im Süden an der Mecumstraße vorgesehen), und es sollen nunmehr nur noch sechs statt neun U-Bahnhöfe gebaut werden. Es entfallen Tunnelstationen am Wehrhahn (dort bleibt die oberirdische Haltestelle so wie sie ist; eine Rampe führt erst etwas später nach der Kreuzung Worringer Straße in den Tunnel), am Bilker Bahnhof (dort taucht die Strecke gerade wieder auf; die neue Haltestelle soll oberirdisch fast an der Stelle der heute existierenden Straßenbahnhaltestelle entstehen) und am Suitbertusplatz. Auch an den zu bauenden U-Bahnhöfen soll gespart werden (weniger Zugänge, weniger aufwändige Architektur) und bei den Betriebsanlagen (keine Kehrgleise im Tunnel, an denen die Bahnen wenden könnten). Ob damit der vorgegebene Kostenrahmen eingehalten werden kann, erscheint trotzdem fraglich.

Die Gewährung von Zuschüssen für den U-Bahn-Bau auf der Wehrhahnlinie hängt aber nicht nur davon ab, ob Stadt, Land und Bund genügend Geld zur Verfügung haben. Die Stadt Düsseldorf muss anhand einer "Standardisierten Bewertung" außerdem belegen, dass der volkswirtschaftliche Nutzen des Tunnels deutlich größer wäre als die Baukosten. Eben daran haben wir die größten Zweifel! Nach den aktuellen Plänen würde sich die Fahrzeit zur Haltestelle Heinrich-Heine-Allee / Altstadt aus anderen Teilen der Stadt um höchstens drei Minuten verkürzen. Um tatsächlich zur Altstadt zu gelangen, müssten die Fahrgäste sich aber noch aus dem dritten Untergeschoss rund 18 Höhenmeter nach oben bewegen - womit auch für Nicht-Mobilitätsbehinderte der Zeitgewinn schon wieder egalisiert würde. Für andere Fahrgäste, die bisher mit den Linien 706 oder 715 zur Altstadt fahren, sähe die Bilanz wesentlich schlechter aus, da sie in Zukunft noch umsteigen müssten.

Die Rheinbahn hat inzwischen Stadtbahnfahrzeuge bestellt, die in Zukunft auf der Wehrhahnlinie fahren sollen. Die Fahrzeuge ähneln den in diesem Jahr ausgelieferten Bahnen (Niederflurfahrzeuge mit 8 Achsen, NF8). Sie sollen aber Türen auf beiden Seiten sowie Fahrerkabinen an beiden Enden haben. Da diese Bahnen nicht breiter sein werden als die heute schon fahrenden Straßenbahnen, kann auf größere Umbauarbeiten an den oberirdischen Streckenteilen verzichtet werden. Allerdings sind zwei dieser Bahnen aneinander gekoppelt deutlich länger als die heute verkehrenden Züge etwas älterer Bauart (NF6) - bieten dabei aber weniger Sitzplätze! Die bestellten Bahnen können auch im normalen Straßenbahnnetz fahren, besitzen jedoch teure Zusatzausstattungen, die ohne den U-Bahn-Tunnel sinnlos sind.

Seit mehreren Jahren schon werden öffentliche Mittel in beträchtlicher Größenordnung für die U-Bahn auf der Wehrhahnlinie ausgegeben, ohne dass bisher klar wäre, dass sie jemals dort verkehren wird.